Die Maschine

Unsere „Hanne Marie“ ist ja ein Haikutter. Ausgezeichnet
durch „Schnelligkeit“, vor allem aber eine der ersten Schiffstypen Anfang des
20.Jhd. die eine Antriebsmaschine im Bauch beherbergten. Nun hat das Schiff im
Laufe der Jahre viele viele Maschinen gesehen. Aktuell beherbergt die Hanne
einen englischen Perkins 4-Zylinder Saugdiesel mit 70PS.
Und dieser Freund braucht ab und zu auch etwas mehr
Aufmerksamkeit. Auf der Hintour nach Kiel (zum Hafenfest Kieler Woche) ist uns
aufgefallen, dass der Öldruck bei langer Fahrt ziemlich in den Keller geht.
Also Ursachenforschung: Wie man mal gehört hat, ist Öl sehr wichtig für so eine
Maschine. Öl lässt das Metall gleiten. Wenn zu wenig Öl in die hintersten Ecken
der Maschine gerät, lässt sich erahnen, dass Metall auf Metall reibt. Und wenn
Metall auf Metall reibt, wird es wohl enorm heiß. Und irgendwann verbinden sich
diese zwei Metalle. Die Maschine fährt fest. Aus die Maus. Nichts geht mehr. –
Und das galt es zu verhindern.

Heißt, Techniker kommen lassen, der den Öldruck per
Manometer überprüft. Um auszuschließen, dass die Öldruckanzeige eine Macke hat.
Fazit: Anzeige ok, Öldruck nicht ok. Bewertung: Nicht mehr so weiter fahren.
Schlussfolgerung: Maschine hoch, entweder Öldruckventil, oder Ölsieb, oder
Ölpumpe. In jedem Fall Großreparatur. Naja, hilft ja nüscht. Eine Woche Zeit
für den Spaß. Leider fällt dadurch die Christian-Müther-Gedächtnisfahrt aus.
Aber so können wir leider nicht weiter fahren. 2 Tage Maschine abstöpseln
(Kühlung, Elektrik, Bowtenzüge, Welle) und Kettenzüge anschlagen, um die eine
Tonne Gewicht aus der Bilge zu befreien.
Dann Zoll-Schlüssel-Satz suchen, Ölwanne abbauen. Und dann
von unten in die Maschine schauen. – Quasi ins offene Herz. Da sieht man dann
die Kurbelwelle, Pleuel, Zylinder. So richtig Maschine halt. Und dieses
Öldruckventil. Wird komplett ausgebaut. Das Ding klemmt irgendwie.

Im Prinzip macht das Teil folgendes: wenn im Zylinderblock
zu viel Öldruck herrscht, schwingt über eine Feder ein Kolben zurück. Der öffnet
einen Schlitz, also Bypass und mindestens die Hälfte des Öls schwappt wieder zurück
in die Ölwanne (nicht in den Motorblock). Damit wird der Öldruck reguliert.
Naja, was soll man sagen, genau das war das Problem. Die Feder hat geklemmt.
Zwei drei mal mit dem Schraubenzieher gebohrt. Zack, Feder wieder frei. Öldruck
wieder hergestellt.

Aber aber. Wenn so eine alte Maschine gleich oben ist, kann
man doch auch die Dichtung der Kurbelwelle und Wellendichtung des Getriebes
machen. Kooin Problem. Denkt man vielleicht. Aber mit so einem englischen Motor
ist das Ersatzteile-auffinden gar nicht so einfach. Nach großer Recherche sind
dann schließlich auch alle Teile beisammen. Neue Kurbelwellendichtung,
Wellendichtring Getriebe, Öldruckventil, Ölsieb gesäubert. Dann war da noch
diese Torsionsscheibe. Ein Bauteil, welches die Verbindung zwischen Motor, also
genauer gesagt Schwungscheibe, und dem Getriebe herstellt. Kann man sich
vorstellen wie eine riesige Frisbee-Scheibe mit Loch in der Mitte und Federn
dran. Bei der alten Frisbee waren die Federn schon kurz vor der Abnutzung. Also
kam das Teil auch auf die ToDo-Liste.
Pünktlich am Freitag vor der Gaffelrigg hieß es – alles
wieder zusammen bauen. Ölwanne anschrauben, Kupplungsglocke wieder ran,
Schwungscheibe fest schrauben, Getriebe ran, Motor wieder 1,5m ins Schiff
absenken, mit Propellerwelle verbinden, Strom ran, Kühlung ran, Bowtenzüge ran.
Anschmeißen. – Löppt!

Satter Öldruck von 3,5bar im Leerlauf, so wie das sein muss.
Und jetzt wird auch wieder die hinterste Ecke der Maschine geschmiert!

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