Rund Rügen

Am 17.09.2018 um 10:30 Uhr macht sich die HANNE MARIE auf den Weg, die größte deutsche Insel zu umrunden. Rügen. Die Tanks sind voll, Proviant ist gebunkert und die Crew in die Sicherheitsrollen eingewiesen.
Nach Passieren der Wiecker Klappbrücke, des Sperrwerks und Verlassen des Rycks werden bei spätsommerlich schönem Wetter die Segel gesetzt. Aufgrund des nicht allzu starken Windes ist die Reisegeschwindigkeit eher gemächlich. Was momentan nicht als Nachteil zu betrachten ist. Das Ziel der heutigen Etappe ist Gager, Rügen. Distanz ca. 17sm.
Auf 54°11’01″N 13°30’19″E Sichtung der, ursprünglich als Dampfschiff MALMÖ gebauten, Ketsch LOVIS. Wie sich später herausstellen sollte, begleitet sie die HANNE MARIE fast auf der gesamten Expedition.
Die HANNE MARIE erreicht am späten Nachmittag kurz vor der LOVIS den Hafen von Gager. Während der Smutje und sein Gehilfe das Abendessen vorbereiten, nutzt der Rest der Mannschaft die Zeit für eine kurze Exkursion ins Hinterland und steht schon nach kurzer Zeit auf dem Bakenberg, der höchsten Erhebung des Groß Zickers und der ganzen Halbinsel Mönchgut. Von hier aus hat man eine grandiose Rundumsicht. Gute Sichtverhältnisse vorausgesetzt, kann man die Greifswalder Kirchturmspitzen erkennen, ebenso Usedom, die Inseln Ruden und Greifswalder Oie. Im Nordosten verschwimmt der Übergang von der Ostsee zum Horizont.
Auf der LOVIS ist eine Gruppe von unterschiedlichen Musikern unterwegs, die nach dem Abendessen an der Pier eine Art Jam-Session abhalten. Wunderschöner Ausklang eines wunderschönen Tages.
Tag 2. Das Wetter spielt wieder mit. Der Wind nur zum Teil. Die Halbinsel Mönchgut wird unter Maschine gerundet. Erst in der Nähe des Landtieffahrwassers können die Segel gesetzt werden. Hier finden Baggerarbeiten für den Anschluss der Gazprom-Leitung nach Lubmin statt. Das heißt erhöhte Aufmerksamkeit und besondere Überwachung des Funkverkehrs.
An der Nordost-Spitze der Halbinsel Jasmund schwenkt der Kurs der HANNE MARIE nach Osten ab. Außerdem lässt der Wind immer weiter nach. Es muss die Maschine gestartet und die Segel geborgen werden. Der Rest der Tagesstrecke wird unter Motor zurückgelegt.
Hier verabschiedet sich auch die LOVIS, die eine noch ferne Ankerbucht ansteuert.
Ziel der HANNE MARIE: Glowe, welches kurz vor Sonnenuntergang erreicht wird. Zurückgelegte Distanz: 35sm.
Am dritten Tag kaum veränderte Verhältnisse. Direkt nach Verlassen des Hafens sind die Segel gesetzt. Die HANNE MARIE zieht unbeirrt immer weiter ihren Weg Richtung Norden, vorbei an dem malerischen Fischerdörfchen Vitt und Kap Arkona. Wieder muss der Kurs nach Ost geändert werden. Wieder heißt es, Maschine an, Segel bergen, wenn überhaupt eine Chance bestehen soll, vor Einbruch der Dunkelheit das Hiddenseefahrwasser zu erreichen.
Kloster auf Hiddensee, das eigentliche Ziel, ist schlichtweg überfüllt, und so wird nach Wiek, Rügen ausgewichen. Auch schön! Distanz: 30sm.
Tag 4. Hiddenseefahrwasser. Nach wie vor ist das Wetter spätsommerlich schön. Nach wie vor kommt der Wind nicht ganz aus der richtigen Richtung. Nach kurzen erfolgslosen Versuchen, doch noch die Höhe zu schaffen, muss wieder ganz auf die Maschine gesetzt werden.
Nach 23sm Ankunft in Stralsund. Hier wird die LOVIS wieder getroffen. Die Musiker haben einen Auftritt in einer Kneipe organisiert. Sehr gut gelungener Abschiedsabend.
Freitag, 21.09.1018, der letzten Tag der Reise. Heute soll es gegen Nachmittag etwas mehr Wind geben. Start ist kurz vor 08:00 Uhr, Brückenzug um 08:20 Uhr (Ziegelgrabenbrücke zwischen Stralsund auf dem Festland und der kleinen Insel Dänholm, Position: 54°18’27.2″N 13°06’42.1″E). Der Wind weht mäßig und kaum böig, nur wieder so, dass gerade eben die Höhe nicht geschafft wird. Das führt dazu, dass schon recht früh im Strelasund die Maschine die einzige Antriebsquelle ist.
Auch auf dem Greifswalder Bodden ist der Wind noch nicht sonderlich stark. Kurze hohe Wellen, wie befürchtet, gibt es ebenfalls nicht. Zusammen mit der LOVIS geht die HANNE MARIE durch die Wiecker Brücke und liegt um 14:00 Uhr wieder gut vertäut an der Greifswalder Museumswerft.
Es ist ein Untersuchung eingeleitet worden, um zu klären, ob der Verlust der für die wissenschaftliche Auswertung und Dokumentation vorgesehenen Photographien auf höhere Gewalt oder menschliches Versagen zurückzuführen ist. Es ist auch nicht gänzlich auszuschließen, dass gar nicht mehr Aufnahmen gemacht wurden.
Das erhalten gebliebene Bildmaterial ist hier vollständig abgebildet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.